Sägen wie die Profis

Ich habe ja bereits seit einiger Zeit eine wirklich gute Tauchkreissäge mit einem Multifunktionstisch, in welchen man diese mit ein paar Handgriffen einbauen kann. Das geht super bis zu einer Größe von ca. 60x60cm. Ist die zu sägende Holzplatte aber größer, bricht man sich echt einen ab.

Alternativ muss die Platte auf Kartons auf dem Boden platzieren, die Säge ausbauen, eine Schiene auflegen und die Säge darüber führen. Das geht auch super, aber für mal einen Schnitt nebenbei macht man das nicht.

Eine Formatsäge kann das besser, kommt aber aus Kosten- und Platzgründen nicht in Frage, also habe ich nach Alternativen gesucht. Eigentlich blieb da nur noch eine Plattensäge übrig, aber die sind ebenfalls kaum bezahlbar.

Vor einigen Tagen ist dann ein altes aber bezahlbares Exemplar im Internet aufgetaucht, und das sogar noch ganz in der Nähe. Kurzerhand habe ich mich bei einem Schreiner-Bekannten erkundigt worauf ich zu achten habe, hab im Baumarkt ein billiges großes Brett besorgt und bin hingefahren um die Säge zu besichtigen und anhand von Probeschnitten zu testen.

Was mich dann vor Ort erwartet hat war relativ traurig. Die Säge stand im Lager eines Fensterbauers und es wurden damit ausschliesslich Hohlkammerplatten gesägt, die man zB. als Terrassenüberdachung verwendet. Alles war mit Plexiglasstaub zugedreckt, das Sägeblatt falschrum eingebaut und die Säge phasenverdreht angeschlossen. So funktionierte natürlich auch die Absaugung nicht mehr, und der Absaugschlauch wurde durch einen viel zu großen und starren Abwasserschlauch ersetzt. Die Auflageböcke unten waren verschlissen, und millimetergenau gerade sägen konnte man auf dem Ding quasi garnicht. Sämtliche Lager gingen schwer und alle Laufflächen waren mit verklumptem und verdrecktem Fett bedeckt.

Das Positive ist aber, dass alles was übermäßiges Spiel hat, auch eine Einstellungsmöglichkeit besitzt. Die Säge ist tatsächlich ein gutes Stück alte deutsche Wertarbeit, es gibt nichts was man nicht auseinander bauen, reinigen und nachjustieren kann. Die Lauflager kann man mal eine Nacht in Benzin einlegen und die verschmutzten Flächen erstrahlten bereits bei der ersten Berührung mit einem in Bremsenreiniger getränkten Lappen in nahezu neuem Glanz.

Und so habe ich gestern mit Hallenkollege Marcus die Säge auf meinem Hänger abgeholt.

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Die Ladungssicherung war hier eine echte Herausforderung, hat aber irgendwie doch geklappt. Eine noch größere Herausforderung war allerdings das Verladen, selbst mit vier Mann war der Schlitten kaum zu heben.

Aua Rücken sag ich nur…

Abladen ging mit dem Gabelstapler deutlich leichter, und so stand die Säge nicht viel später provisorisch aufgebaut und ausgerichtet in der Halle.

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Toll, was? 🙂

Die Bretter, die der Auflage dienen, sehen noch gut aus und liegen hinter der Säge auf dem Podest. Die lasse ich aber erstmal weg bis die Säge ihren endgültigen Einsatzplatz in der Werkstatt bezogen hat.

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Die Auflageklötze haben ein merkwürdiges Profil, sind aber leicht nachzufertigen.

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Wie man eine Säge so versauen kann ist mir echt ein Rätsel, Handwerker schalten offenbar echt ein wenig zu oft den Kopf aus, oder haben einfach eine Scheissegal-Haltung gegenüber fremdem Eigentum. Naja…

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Bevor die Säge in die Werkstatt umziehen kann, muss ich dort noch Einiges umräumen. Mit ein paar Nachmittagen Arbeit wird sie dann hoffentlich wieder gut laufen und diverse verschlissene Elemente werde ich nach und nach tauschen. Klar kostet das Zeit, aber die Zeit die ich dadurch verliere, hole ich beim Plattenzuschnitt für den Möbelbau hinterher dreimal wieder raus.

Die Anschaffungskosten halten sich auch in Grenzen, da das Internet aber nichts vergisst und ich die Säge nach der Überholung und Justage irgendwann in ein paar Jahren möglichst ohne Verlust oder gar gewinnbringend wieder verkaufen möchte, möchte ich mich dazu hier nicht äußern.

Parallel ging es übrigens am Bus weiter, Julian war ein paar Stunden da und hat dort weiter gemacht wo ich vorgestern das Brett gelöst habe. Er hat das ganze Gebrösel sowie ein weiteres Blech rausgeschnitten, so dass dort nun Rostschutz aufgetragen und die nicht mehr vorhandenen Rohre ersetzt werden können.

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Da werde ich heute und am Wochenende weitermachen, bzw eigentlich erstmal an der andere Seite und in der Mitte die Bretter heraus nehmen.

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1 Antwort zu Sägen wie die Profis

  1. Oliver sagt:

    Ahhhhhhhh ein tolles Weihnachtsgeschenk!

    Da fällt mir ein: ich hab mir dieses Mal gar nichts gegönnt. Das sollte ich schleunigst nachholen!

    Viel Freude damit!

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