Das tapfere Schneiderlein

Ich habe ja hier schon beschrieben, dass wir nach einer Matratzenlösung für den James gesucht haben. Erste Anfragen bei Schaumstoffhändlern sind immer bei ca. 200 EUR für eine dreiteilige Matratze plus Bezüge rausgekommen, das war uns für ein „Überbrückungsmobil“ und für nur wenige Nächte, die wir in dem Auto verbringen werden, zu teuer.

Also haben wir uns nach anderen Lösungen umgesehen und sind bei einem Discount-Markt fündig geworden.

Passend zu den Feiertagen war dort nämlich diese Klappmatratze im Angebot, schmale 28 EUR kostet das Teil.

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DIe Maße sind 190x70cm, nicht unbedingt passend. Wenn man zwei nebeneinander legt, sind sie 10cm zu breit und 10cm zu kurz. Aber das kann man doch sicherlich umarbeiten, so dass eine einzige große Klappmatratze dabei heraus kommt, – hatten wir einfach mal so uns gedacht, und zwei Matratzen gekauft.

Nun standen wir da mit unserer neusten Errungenschaft, und mein erster Gedanke war, einfach mal zu einer Schneiderei zu gehen und den Preis für die Umarbeitung zu erfragen.

Nach nur 15 Minuten erklären hat die Schneiderin dann auch verstanden, was genau ich wollte, nämlich aus zwei kleinen Bezügen einen großen machen.

Dachte ich. Denn als nächstes kam eine Rückfrage, die ganz eindeutig gezeigt hat, dass sie es eben NICHT verstanden hatte, was sie tun sollte. Sie hatte immer noch nicht begriffen, dass ich zwei identische Matratzen hatte, aber natürlich erstmal nur eine mitgebracht habe. Ich bin irgendwann einfach wieder abgezogen.

Der zweite Schneider hat genauso wenig verstanden, allerdings lag das hier eher an einer Sprachbarriere. Schneider sind irgendwie immer Osteuropäer…

Ein dritter Versuch in der Verwandschaft „Ja klar, mach ich Dir, schick mal her!“ endete darin, dass ich die Bezüge zurück bekommen habe, und sie waren einfach in der Mitte zusammen genäht. Die 10cm, die ich vom Schaumstoff von einer Matratze abschneiden wollte, um auf die 130cm Breite zu kommen, hätten natürlich nicht in den Bezug gepasst, der wäre zu groß gewesen. Dazu sollte ich den leeren Bezug an dieser Stelle einfach umschlagen.

Also so hatte ich mir das auch nicht vorgestellt, das hätte ich auch selbst gekonnt. Was also tun? Die Lösung liegt auf der Hand: Wenn man will dass etwas genau so wird wie man es möchte, muss man es selbst machen.

Tja. Und so kam es auch.

Am Wochenende waren wir zu Besuch bei Annes Mutter, und Anne war mit ihr viel unterwegs, während ich nicht viel zu tun hatte. Also habe mal nett gefragt, und so hat sie mir die Bedienung ihrer Nähmaschine gezeigt.

Aber zuerst kam mal die Vorarbeit, bzw die Planung. Das Endergebnis sollte eine Matratze werden, die 130cm breit und 200cm lang ist, die man aber immer noch klappen kann, und die am Kopfende eine große Öffnung mit Reisverschlüssen hat. Nochmal zur Erinnerung: Eine Matratze hatte 70x190cm und einen Reisverschluss am Kopfende. Wenn man nun beide nebeneinander legt, gehen die Reisverschlüsse natürlich zur selben Seite auf, einer musste also umgedreht werden.

Ich habe aber zuerst mal die Bezüge zerlegt:

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Beide Bezüge jeweils innen aufgetrennt und je 10cm herausgeschnitten.

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Dann die ersten Gehversuche mit der Nähmanschine. Einer der Hebel stellt ein, wie weit die Nadel beim nähen nach links und rechts ausschwenkt, bis hin zum exakten Geradeauslauf. Das Zickzackmuster dient zum versäubern von Kanten, das habe ich aber nicht benötigt weil der Stoff der Matratzen nicht ausfranst.

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Ein Drehrad mit Knopf stellt den Vorschub ein, mit dem Knopf kann man auch auch den Rückwärtsgang einlegen. Das ist praktisch wenn man zu faul ist, die Fände zu vernähen. Am Ende auf einem cm zweimal hin und her fahren und abschneiden – fertig.

🙂

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Da ist die erste lange Mittelnaht beinahe fertig!

Und hier das tapfere Schneiderlein bei der Arbeit:

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Ich habe das ganze Wochenende immer wieder an der Maschine gesessen, ich glaube in Summe waren das bestimmt 8 Stunden. Ein Profi hätte vielleicht 2-3 gebraucht. In jedem Fall habe ich mich aber doch gewundert, wieviel Zeit dabei drauf gegangen ist.

Am Ende ist es aber wirklich exakt so geworden wie ich mir das vorgestellt hatte. Den Verschnitt aus der Mitte habe ich vor Kopf angenäht, die Kastenform wieder hergestellt und einen Reisverschluss umgedreht wieder eingebaut, so dass sie nun beide nach aussen aufgehen.

Und hier – tataaaa – die fertige Matratze:

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Hier bin ich bei meinem neuen Stamm-Autopolsterer in Aachen, der mir den Schaumstoff abgeschnitten und neu zusammengeklebt hat. Man kann zwar auch mit Pattex kleben, aber dann werden die Übergänge recht hart. Mit speziellem Schaumstoffkleber passiert das nicht, und ausserdem kann man mit dem Teppichmesser einfach nicht so sauber schneiden. Also habe ich es machen lassen, er hatte mich auch ausführlich und kompetent beraten.

Ausserdem hat er mir noch so genannte Trikotagen um die Schaumstoffblöcke gespannt. Damit wird der Stoff vor durchscheuern geschützt, und man kann die Blöcke viel leichter wieder in den Bezug bringen. Schaumstoff-Flutschi quasi. 😉

Auf meine ersten Nähmaschinenversuche bin ich richtig stolz. Anne meinte irgendwann, nach dem ich schon die ersten Ergebnisse zeigen konnte, dass es wohl daran liegen muss, dass das Ding ein Gaspedal hat.

😀

Hier sieht man allerdings auch direkt eine meiner Pfusch-Stellen, denn der Stoff war auf einmal an dem Unterteil viel zu lang für den Reisverschluss – im Verhältnis zum Oberteil. Das hat dann nochmal viel Zeit gekostet, denn ich musste beide Reissverschlüsse wieder auftrennen und eben diese umgeklappten Ecken reinbasteln.

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Hier bin ich auch stolz drauf: Die beiden Reisverschlüsse treffen sich in nun der Mitte und liegen mit etwas Versatz übereinander. Die Enden habe ich in den Stoff rein vernäht, so dass der Zip selbst nicht aus Versehen von den Zähnen abrutschen kann. Allerdings musste ich hier auch einige Male mit der Maschine hin und her fahren, bis das so saß wie ich wollte. Also auch gepfuscht, aber egal, es hält.

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Und hier die fertige Matratze, zusammen gefaltet wie sie oben im Dach liegen soll. Das untere Stück ist nun besagte10cm länger, vorher lagen die drei Teile bündig übereinander.

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Der Moment der Wahrheit, Anprobe im James.

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Es passt perfekt!

Dann zusammen falten, das ging nicht so ganz einfach, aber den passenden Handgriff bekommt man, denke ich, schnell heraus.

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Passt auch! Die Matratze liegt auf dem Rollwagen, den man von ganz hinten nach ganz vorne fährt.

Der letzte Schritt:

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Deckel zu! So siehts tagsüber aus, wenn man das Bett nicht braucht. Auf dem Brett ist allerdings ziemlich Spannung drauf weil die Matratze von innen dagegen drückt, ich muss mal schauen ob sich das Ganze in die Deckenverkleidung vorne reindrückt. Vielleicht lassen wir für unterwegs einfach den Zustand wie auf dem Bild vorher, wenn das herunter geklappte Brett nicht stört.

Also, „Projekt Matratze“ ist abgeschlossen!

Am Wochenende waren Anne und ihre Mutter, wie gesagt, noch unterwegs, und haben unter anderem auch Gardinenstoff gekauft. Das wird das nächste Projekt, ich glaube die bekommen wir aber fertig genäht zu Weihnachten 😉

Interessant ist die Befestigung. Unten ist diese Nutschiene:

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Und oben ein T-Profil:

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Bei einem Stoff-Geschäft in Würselen habe ich dann auch die passenden Haken gefunden, links für oben, rechts für unten.

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Die unteren haben so kleine Flügelchen und werden einfach in die Schiene von oben reingeclipst.

Das wars damit für diesen Beitrag. Zwischenzeitlich sind eine Menge Lieferungen gekommen, und am Wochenende wird weiter gebastelt, ihr dürft gespannt sein!

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4 Antworten auf Das tapfere Schneiderlein

  1. Uwe sagt:

    Sorry, dass der alte Uwe mal meckert, aber seinen Körper einer preisgünstigen und schlechten Matratze zu gönnen, ist eine Sünde der jungen Leute. Ich habe früher genau so gedacht und bitter bereut. Ich gebe lieber 100 € mehr aus, habe aber einen besseren Schlaf und mein Rücken wird es mir danken. Ich spreche hier wirklich aus Erfahrung. Es muss nicht unbedingt ein Wasserbett sein, aber eine gute Matratze muss nicht viele Hundert € kosten. Dazu gibt es bereits Geelkernmatratzen, sogar recht preisgünstig.

  2. Martin sagt:

    Im Prinzip hast Du Recht Uwe, aber wir werden den James erstens wahrscheinlich nicht so lange haben, und zweitens auch nicht besonders oft damit Urlaub machen.
    In jedem Fall wird es diese Matratze dafür tun, immerhin besser als auf einer Isomatte zu pennen.

    In den Bus kommt natürlich eine gescheite Matratze, keine Frage!

  3. Baubde0 sagt:

    Klaus hat mir die Bilder gezeigt und das haste jut jemacht, muss ich als Frau schon sagen.
    Gruß Inge

  4. Martin sagt:

    Hallo Inge,
    na wenn DAS mal keine Ehre ist, und das von Dir alter Häsin – dankeschön 🙂