Warmwasserheizung im Wohnbus

Seit wir das 814-Sparkassenmobil haben, habe ich eigentlich schon einen Plan für eine Wasserheizung im Kopf. Am Wochenende habe ich dann bei Günther gesehen, dass es genau so geht wie ich mir das gedacht habe! Mit ein paar Verfeinerungen, klar, aber vom Prinzip her ist es genau so wie ich mir das vorstelle.

Und es funktioniert super, sagt Günther!

Zunächst sei erklärt, warum wir eine Warmwasserheizung im Bus haben möchten. Nun, für die Übergangszeit oder bei gut isolierten, kleineren Fahrzeugen würde eine Truma Luftheizung reichen. Aber hier hat man, vor allem bei den E Heizungen, das Gesurre des Gebläses, ausserdem trocknen einem ziemlich schnell die Schleimhäute aus, was überhaupt nicht angenehm ist.

Eine Wasserheizung kann mit konventionellen Heizkörper aus der Haus-Installation betrieben werden, die Abstrahlwärme dieser Heizkörper ist deutlich angenehmer als die Wärme einer Gebläseheizung. Und nicht zuletzt kann man über einen Boiler auch sein Brauchwasser zum Duschen oder Spülen aufheizen.

Der für Wohnmobil-Warmwasserheizungen renommierte Hersteller „Alde“ installiert seine Heizungsanlagen in einer reinen Reihenschaltung: Vorlauf der Heizung, von da aus in den ersten Heizkörper rein, aus dessen Ausgang direkt zum zweiten Heizkörper, und so weiter. Am Ende ist das Wasser logischerweise am kältesten, damit wird dann oft noch eine Garage frostfrei gehalten.

Selbst gebaute Anlagen, und auch sehr individuelle und teure Ausbauten, setzen auf ein herkömmliches System mit Vorlauf und Rücklauf.

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Sieht kompliziert aus, ist es aber nicht.

Was hier zu sehen ist, ist die Diesel-Standheizung für den Wohnraum und die „Verschaltung“ zum Motor hin.

Rechts hinten sieht man die Schläuche vom und zum Motor. In der Mitte die „Ziehharmonika“ ist der Plattenwärmetauscher. Das Motorkühlwasser geht hinten links in den Wärmetauscher rein, hinten rechts wieder raus und dann durch die rechte Pumpe zurück zum Motor.

Rechts oben sieht man die beiden Schläuche vom und zum Wohnraum. Der vordere Schlauch ist der Heizungsrücklauf mit dem kalten Wasser, der geht in Fliessrichtung in die linke Pumpe rein (der Schlauch wird hinter dem Wärmetauscher hergeführt). Dann oben aus der Pumpe raus, links vorne in den Wärmetauscher rein, rechts vorne wieder raus und in die Standheizung. Aus der Standheizung dann direkt wieder nach oben.

So, warum nun so ein Haufen Gedöns? Nun, es lassen sich folgende Szenarien realisieren:

Das Fahrzeug steht und man will in absehbarer Zeit losfahren. Standheizung einschalten (dort ist auch eine Pumpe drin), ebenso die rechte Pumpe . Nun wird über den Wärmetauscher der Motor vorgewärmt.

Oder:

Man ist unterwegs und will über den Motor den Wohnraum heizen. Linke Pumpe an, fertig. Über den Wärmetauscher wird heisses Wasser für die Wohnraumheizungen erzeugt. Die rechte Pumpe muss dazu nicht laufen, der Motor selbst pumpt in diesem Fall ja das Wasser am Wärmetauscher vorbei.

Oder:

Man steht und möchte nur den Wohnraum heizen. Standheizung an, alle Pumpen aus. Die Pumpe der Standheizung drückt das Wasser locker durch die stehende Wohnraumpumpe, der Motorkreislauf erwärmt sich aufgrund der abgeschalteten Pumpe nicht und verbraucht somit auch keine Energie.

Im Wohnraum geht’s dann bei Günther wie folgt weiter:

Direkt über dem auf dem Foto zu sehenden Eingang in den Wohnraum sind je ein Dreierverteiler für den Vorlauf und den Rücklauf.

Ein Kreis ist für die Heizkörper, ganz normal mit Vorlauf und Rücklauf, am Ende nicht verbunden wenn ich Günther richtig verstanden habe. Nur im Rücklauf befindet sich irgendwo ein Ausgleichsbehälter.

Ein weiterer Kreis ist für die Fussbodenheizung, hier liegt ein Rohr einfach in einer Schleife im Boden drin und heizt den Hohlraum dort auf. Ist aber sehr träge sagt Günther.

Den dritten Kreis bezeichnet Günther als Stresskreislauf. Hier geht einfach nur ein Rohr aussenrum unter allen Möbeln her und durch die Garage. Für den Fall dass man das Auto bei sehr starker Kälte bewohnt, oder es über den Winter frostsicher abgestellt werden soll, betreibt man diesen Kreislauf mit, und verhindert Frostschäden in den Schränken.

Das war’s.

Interessant ist hier die Aussage von Günther, dass der Plattenwärmetauscher von Alde einen deutlich höheren Wirkungsgrad hat, als das was man sonst so auf dem freien Markt bekommt. Auch die Pumpen haben eine Leistungsaufnahme von nur 14 Watt, was sich im Verbrauch mit ziemlich genau 1A/h nieder schlägt. Das finde ich akzeptabel!

So, bei uns wird das wie gesagt ähnlich aussehen, jetzt wird’s theoretisch 🙂

Wir haben zusätzlich zu der hier zu sehenden Installation eine 23kW Heizung, die nur den Motorkreislauf befeuert, die bleibt dort auch. Dazu eine separate Umwälzpumpe (die große Heizung hat selbst keine), die man auch separat schalten kann, auch die bleibt dort. Der Motorkreislauf an sich ist also schonmal geschlossen und funktioniert.

Anstelle der Heizkörper, die jetzt im Bus direkt mit diesem Kreislauf verbunden sind, wollen wir einen Wärmetauscher wie hier bei Günthers Installation montieren, und daran dann den gesamten Wohnkreislauf betreiben. Derzeit heizen wir nämlich immer den ganzen Motor mit auf, aber das ist auch noch die originale Bücherbus-Installation, und dafür ist es durchaus zweckmäßig.

Aber nicht fürs Wohnen. Auf dem SAT haben wir an einem Wochenende 30L Diesel durchgebracht, und nichtmal durchgehend 15 Grad im Bus gehabt…

Also, im Wohnkreislauf wird es dann aus Leistungs- und Redundanzgründen zwei hintereinander geschaltete 5kW Standheizungen geben, die man einzeln oder zusammen betreiben kann. Weiterhin eine elektrische Heizpatrone, und einen Schiffsdieselofen, den viele auf den Grundriss-Entwürfen als Mülleimer identifiziert haben 😉

Dieser „Mülleimer“ soll unsere Haupt-Heizung sein, da hier bis auf die Pumpe kein Strom verbraucht wird, und das Heizkonzept auf sehr geringen Dieselverbrauch ausgelegt ist. 6kW hat der Ofen unserer Wahl, der verbraucht 0,1-0,3 Liter Diesel (wahlweise Heizöl) die Stunde, das sollte für den Bus reichen.

Tja, und dann in den Vorlauf-Verteiler. Heizkörper, Fussbodenheizung, und bei uns wird es zusätzlich noch einen mit Kühlwasser beheizbaren Warmwasserboiler geben. Bei Günther gibt es dafür eine Truma 6002 Kombiheizung.

Eine Große Frage ist aber noch die besagte Fussbodenheizung. Hier wollen wir 20mm Aluverbundrohr verliegen, um den Fließwiderstand so gering wie möglich zu halten. Allerdings erwärmen die von uns angedachten Heizungen das Wasser bis auf 80 Grad hoch, mit dieser Temperatur wollen wir auf keinen Fall in den Fussboden gehen! Was tut man hier?

Ein Lösungsansatz ist dieser hier: die Hohlräume unter den Podesten unter den Sitzgruppen wollen wir mit den Heizkörpern erwärmen, die jetzt schon im Bus montiert sind. Das gibt dort schonmal warme Füsse. Die Wärme kann ausserdem hinter den Rückenlehnen hochzirkulieren. Wenn das Wasser hier durch ist, sollte es schonmal deutlich weniger Temperatur haben, damit kann ich dann in den Fussboden. Würde das gehen?

In meinem Kopf ist das, wie so Vieles, alles schon fertig. Und das Schöne ist: bis auf den „Mülleimer“, Installationsmaterial und Rohre liegt alles schon im Lager! Ich glaube, ich muss diesen Plan aber mal zu Papier bringen, denn wirklich sicher bin ich mir da erst, wenn ich das Ganze mal einem Sanitär-Fuzzi vorgelegt habe.

Ob der ein dummes Gesicht macht, wenn ich ihm sage, dass diese Anlage in einem Wohnmobil verbaut werden soll?

🙂

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