Neue Radkästen (5)

Wir waren fleissig und haben in der letzten Zeit viele Kleinigkeiten geschafft, aber über jede sauber gemachte Leitung wollte ich hier nun nicht direkt schreiben. Im Prinzip beschreibt das aber schon, was zumindest ich in den letzten Tagen gemacht habe: Ich habe alle Leitungen im Bereich der Hinterachse, die oben an der Karosserie, sprich unterm Fahrzeugboden her laufen, gesäubert neu gestrichen, und davon gibt’s nun auch ein paar Bilder!

Saubermachen und neu streichen hört sich allerdings erstmal einfach an, ist aber ne Katastrophe wenn man bedenkt, dass der Bus mal von unten komplett mit Unterbodenschutz übergejaucht wurde. Nicht nur dass der Mist nur mechanisch zu entfernen ist (abkratzen), es ist auch noch so dass sich dadrunter der meiste Gammel verbirgt. Und so war es nicht verwunderlich, dass viele Rohre mehr oder weniger leicht angerostet oder andere, wie zum Beispiel die Messing-Heizungsrohren, ordentlich oxidiert waren.

Im Moment ist ja der Holzboden im Bereich der Hinterachse komplett raus, und die Wartungsklappen geben den restlichen Weg frei, so dass ich ab dem Kofferraum auf wirklich alle Leitungen im Heck des Busses Zugriff habe. Und so habe ich als erstes die Gunst der Stunde genutzt und die Wasserleitungen für die Heizung ausgebaut, denn das Kühlwasser ist ja immer noch abgelassen.

Nun kommt man schon an diverse Leitungen deutlich besser ran und somit stand erstmal stumpfes sauberschubbern auf dem Programm.

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Rechts kommen die Leitungen von vorne aus dem Kofferraum.

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Alles fertig gesäubert, und was da wieder für ein Haufen Dreck runter gekommen ist…

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Vielleicht sollte ich doch über „Projekt 7,5 Tonnen“ nachdenken? :)

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Hier sieht man wie es langsam Gestalt annimmt. Für die, die es interessiert, hier mal die Erklärung welche Leitung wofür ist:

Ganz rechts, noch nicht gestrichen, sind die beiden Wasserrohre für Vor- und Rücklauf zum Frontheizgerät. Ganz links kommt die Schaltwelle aus dem Kofferraum, die über verschiedene Kardangelenke zum Getriebe geführt wird. Ich bin mehrfach gefragt worden, ob der Bus einen Nebenantrieb hat, so massiv sieht das Teil aus :)

In der Mitte sieht man neben dem Kabelbaum (Mitte rechts) ein Leitungspaket aus dem Kofferraum kommen. Die Leitungen, die dann nach rechts abbiegen, sind zunächst drei Stück. Die ganz dicke kommt von vorne von der Servolenkung, das ist der Rücklauf. Die mittlere ist der Vorlauf zur Servolenkung, hier habe ich weiter hinten noch einen ziemlich porösen Schlauch zwischen Motor und Stahlleitung gefunden, der wird morgen ausgetauscht. Das Ersatzteil gibt’s noch und kostet 35 EUR, das geht halbwegs. Die dünnste Leitung ist ein 12mm Rohr, das kommt vom Kompressor und geht nach vorne zum Lufttrockner/Druckregler.

Links sieht man ebenfalls drei Leitungen, die zwei „dicken“ 10mm Leitungen sind Vorlauf und Rücklauf für Diesel. Das dünne Rohr ist die Hydraulikleitung für die Kupplungsbetätigung. Im Diesel-Rücklauf sitz weiter hinten, nicht im Bild, ein T-Stück, an welches der Rücklauf der Standheizung angeschlossen ist. Ja tatsächlich, die Standheizung, eine Webasto 2020, hat auch Vor- und Rücklauf.

Aus mir nicht erfindlichen Gründen hat Mercedes den Vorlauf für die Standheizung woanders lang gelegt. Man sieht diese Leitung, nicht gestrichen, am Anfang seitlich abgehend über die beiden Heizungsrohre laufen. Die Leitung ist erstens verottet und zweitens ist der Leitungsweg dummes Zeug und ständig im Weg.

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Ich habe nun alle Dieselleitungen ausgebaut und werde diese nach Beratung durch Sven und Gero durch Tecalan Rohr ersetzen, welches ich schon für die Druckluftanlage verwendet habe. Diese kann ich dann alle schön parallel nach hinten führen und dann für die Heizung mit zwei Leitungen einmal rüber gehen, fertig.

Achja, ausgelöst wurde der Umbau der Leitungen eigentlich dadurch, dass Julian aus versehen den Rücklauf angeflext hat. Bei genauerem Betrachten hat sich aber gezeigt, dass hier der Zahn der Zeit schon gewaltig genagt hat und es das Beste ist, alles komplett zu ersetzen.

Nur bei dem vorhin erwähnten T-Stück im Rücklauf weiss ich noch nicht genau was ich machen soll. Der Rücklauf der Standheizung ist nämlich in 8mm ausgeführt, alle anderen Leitungen sind in 10mm. Weiss der Teufel was die Mercedes-Ingenieure dabei geritten hat. Das Problem ist das T-Stück, welches kurz vor dem Ausbau prompt undicht geworden ist. Das lag wohl daran, dass man hier ein reines 10mm T-Stück genommen hat, an dem auch der Abzweig für die 8mm Leitung mit einer 10mm Überwurfmutter aufgeschraubt war, – weswegen nach der ersten Bewegung fleissig der Diesel ausgelaufen ist.

Nun sind bei meinem Stamm-Lieferanten keine 10mm T-Stücke mit 8mm Abzweig einzeln zu bekommen, und einen 10er Pack wollte ich mir nicht gerade hin legen. Ich muss mal schauen, was der Meister vom Bus-Unternehmen noch so im Lager hat, vielleicht ist da was bei :)

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Hier ein Blick in den Kasten der Standheizung, die ja zum Glück immer noch nicht eingebaut ist. Die Dieselleitungen sind hier in Stahl ausgeführt und das werde ich auch so lassen. Die sind nämlich schön fest und tragen sich somit von selbst, ausserdem sind die Absperrhähne irgendwie cool :)

Hier nun wieder mal ein Haufen Leitungsschrott.

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Mit dem Einbau der neuen Leitungen warte ich aber, bis wir die Rahmeninnenseiten wieder zugeschweisst haben. Damit hat Julian am Wochenende angefangen, nachdem ich letzte Woche alles großzügig mit Owatrol getränkt und ein paar Tage später das gesamte Konstrukt mit Brantho Korrux Rostschutzfarbe gestrichen habe. Auch das kann man auf den Fotos weiter oben schön sehen.

Was war noch? Achja, die Wasserrohre. Hier sieht man die beiden Rohre mit den 15mm Abgängen für den Wärmetauscher zur Wohnraumheizung.

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Auch diese waren ordentlich befallen und sind nun blank und zum Streichen vorbereitet.

An einigen weiteren Rohstücken, die nun allesamt ausgebaut auf der Werkbank liegen, gab es noch weitere Stutzen die verschlossen werden sollten. Meine erste Idee, diese zuzulöten, habe ich nach einem Gespräch mit Ralf, hauptberuflich Sanitär- und Heizungsbauer sowie Freund aus dem Wohnbusforum, wieder verworfen. Er hat mir statt dessen angeboten, stopfen auf die Enden zu pressen, die kann man bei Bedarf wohl auch wieder entfernen.

Und so hat uns letzten Sonntag ein Abstecher nach Siegburg gebracht, wo die vorher georderten Stopfen schnell aufgepresst waren.

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Das sieht gut aus, und der Materialmix ist wohl kein Problem.

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Ob ich das wieder alles zusammen bekomme? :)

Achja, und einen lange offenen Punkt auf meiner ToDo Liste kann ich nun auch abhaken. Die Spiegelarme waren nämlich zu kurz, um einen zweiten Weitwinkelspiegel anzubringen.

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Auch hier war die Lösung das Anpressen von je einer Verlängerung im passenden Durchmesser, die ich mir nun passend abschneiden kann. Das ist bombenfest und fällt wahrscheinlich kaum noch auf, wenn ich alles schwarz gestrichen habe. Aber die Spiegel sind auch noch eine größere Baustelle, dazu (viel) später.

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7 Antworten auf Neue Radkästen (5)

  1. Oliver sagt:

    Hi Martin,

    Messing nimmt man als Übergangsstück bei Wasserrohren, wenn man z. B. Kupfer und Eisen miteinander verbindet. Also kein Problem mit den Kupfer-Stopfen.

    Tecalan eignet sich hervorragend für Dieselleitungen. Ich habe es gerade für eine Leitung zur Standheizung im Einsatz. Allerdings würde ich empfehlen, noch eine Schutzmantel überzuziehen (Panzerrohr oder sowas).

    Viele Grüße
    Oliver

  2. Tony Mach sagt:

    Wird sehr schön und es geht voran! Da werde ich richtig neidisch!

    Wenn man schon alles offen hat, dann sollte man das zumindest halbwegs ordentlich wieder in Stand setzen, damit man für mindestens zwei Jahrzehnte nicht mehr ran muss.

  3. Moretti Patrone sagt:

    Hey,fleissig…guck dir mal die Blechflicken hinter dem Schaltgestänge (auf dem oberen Bild rechts oben) mal genauer an,da ist sicher auch noch böses hinter…mach das besser gleich so gut kannste da nie mehr dran.
    Gruß Moretti Patrone

    • Martin sagt:

      Hi Moretti,
      ich frag mich gerade ob das nicht original ist?
      Da kommst Du von unten nämlich eigentlich garnicht dran.
      Ich schau mal…

  4. Christoff sagt:

    Hallo Martin

    welche Erfahrung hast Du mit dem „Owatrolzeugs“? Ich bin mir auch am überlegen, wie ich das Fahrgestell meines Busses einigermassen haltbar mache. Bin mich überall am einlesen und erkundigen (auch Korrosionsschutzdepot). Und überall höre ich von Owatrol Öl. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Farbe nachher auf dem Öl hällt.
    Ach übrigens… Toller Blog:-)

    Gruss
    Christoff

    • Martin sagt:

      Hallo Christoff,
      ich kann tatsächlich schon auf Langzeiterfahrungen zurückblicken, denn ich habe ziemlich am Anfang die seitlichen Zierleisten demontiert, den Rost so gut es geht entfernt und alles großzügig mit Owatrol eingepinselt. Das Zeug kriecht wirklich in jede Ecke, aber man sollte es wirklich nur auf Roststellen auftragen, nicht auf Lack oder blankes Metall, da trocknet es nicht. Trockenzeit ist übrigens der kritische Punkt: Im Sommer sind mindestens 24 Stunden zu warten, bei dem aktuellen Wetter besser eine Woche.
      Als Farbe zum überstreichen – ja, es wird wirklich 100% trocken – nimmst Du am besten Brantho Korrux. Es gibt zwei „Versionen“: einmal Nitrofest und einmal 3in1. Das 3in1 eignet sich super am Unterboden und als Chassis-Lack, wo nichts mehr drüber kommt. Das Nitrofestverwendest Du da, wo hinterher nochmal überlackiert werden soll. Wenn Du es mit 20-30% Verdünnung mischt, kannst Du Nitrofest sogar als Füller verwenden, das habe ich bei den Blechen am Dach gemacht, ging super!
      Zurück zu den Zierleisten, hier habe ich bisher nur Owatrol und Nitrofest aufgetragen und bisher ist nicht ein einziges Rostpickelchen wieder hoch gekommen, daher also meine uneingeschränkte Empfehlung.
      Beim Korrosionsschutzdeput gibts wirklich viele PDF-Dokumente zum runterladen und einlesen, schau Dich da mal in den Anleitungen um, da wird genau das beschrieben.
      Achja, eins noch: Brantho Korrux ist eine sehr „dicke Suppe“, was natürlich der Kantendeckung zu Gute kommt. Leider sieht man aber auch immer die Pinselstriche. Die Alternative ist entweder rollen oder lackieren mit der Spritzpistole. Am Unterboden oder Chassis würde ich aber immer pinseln.

    • Oliver sagt:

      Hallo Christoff,

      was Martin sagt, stimmt im Prinzip. Allerdings sollte man eines beachten: Die Schichten auf dem Blech sollten alle etwa in gleicher Härte sein. Auf ein „weiches“ Owatrol Öl passt kein extrem „harter“ Lack. Für den Unterbodenbereich ist die Kombination aus Owatrol und 3in1, soweit ich mich erinnere, gut, da 3in1 eher weich ist in seiner Struktur. Nitrofest ist härter und für die Lackierung mit 2K-Lacken geeignet. Bitte nagle mich nicht darauf fest, aber das ist das, was mir in Erinnerung geblieben ist.

      Viele Grüße
      Oliver