Lufttrockner Umbau

Ich habe lange nicht gebloggt weil ich irgendwie keine Lust hatte. Vielleicht auch weil ich in den letzten Tagen oft und lange an der Halle war, dann noch morgens früh Busfahren, so dass ich abends echt keinen Nerv mehr hatte.

Aber trotzdem war ich fleissig, und habe in mehreren Tagen, unterbrochen von diversen Rückschlägen und Falschbestellungen von Montagematerial, den Lufttrockner eingebaut, der schon etwas länger in meinem Lager schlummerte.

Der Umbau vorne unter dem Bus ist komplett fertig, der Bus stand wieder auf seinen Rädern, und ist derzeit nur aus taktischen Gründen vorne aufgebockt – siehe vorheriger Beitrag 😉

Ich bin aber einen Meter vorgefahren, weswegen ich nun endlich hinten weitermachen kann, denn der Lufttrockner war die Voraussetzung für viele weitere Arbeiten am Heck.

Nachfolgend aber erstmal eine Erklärung zur Funktionsweise an sich, also viel Text und viele Bilder, alles recht technisch. Ich habs aber versucht, plausibel für absolut Unwissende zu erklären :)

Fast alle schweren Nutzfahrzeuge sind mit Druckluftanlagen ausgestattet. Diese dient vornehmlich zum Bremsen, aber auch für die Luftfederung und diverse andere Nebenverbraucher wie luftbetätigte Türen, Luftfedersitze und so weiter.

Diese Luft wird am Motor mittels eines angebauten Kompressors erzeugt und in großen Luftkesseln, bei unserem Bus vorne, quasi unter dem Beifahrersitz, zwischengespeichert.

Damit das Druckluftsystem einigermassen gleichmäßig funktioniert, muss ein Luftdruck von ungefähr 7 bis 8 Bar eingehalten werden, das übernimmt der Druckregler. Dieser ist beim O307 hinten links im Heck nahe des Motors eingebaut. Bei deutlich modereren Fahrzeugen liegt dieser Druck übrigens bei ca. 10 bis 12 Bar.

Der Kompressor am Motor pumpt dauernd, der ist nicht regelbar. Der Druckregler jedoch erkennt, wieviel Druck schon im gesamten System aufgebaut wurde, und wenn der Abschaltdruck, also der höchst zulässige Druck, erreicht wurde, hört man das „Abblasen“ des Druckreglers in Form eines mehr oder weniger lauten „Pscht“. Nun wird die Luft des Kompressors nicht mehr ins System sondern ins Freie geblasen.

Hat man ein paarmal gebremst, fällt natürlich der Druck im System langsam ab und bei ungefähr 7 Bar schaltet der Druckregler wieder um, so dass die Vorratskessel wieder „aufgepumpt“ werden.

Und so zieht sich das dauerhaft hin, das funktioniert absolut zuverlässig.

Nun gibt es aber als unangenehme Begleiterscheinung des komprimierens der Luft eine nicht unerhebliche Kondenswasserbildung in den Rohren und Kesseln. Beim O307 sammelt sich das Wasser in den Kesseln und muss über Entwässerungsventile regelmäßig abgelassen werden. Die Kessel rosten natürlich irgendwann von innen, alles in allem ist diese Feuchtigkeitsbildung keine schöne Sache.

Vor allem im Winter, denn da gefriert Wasser ja bekanntlich, und auf einmal steht man da, und kann wegen eines eingefrorenen Ventils nicht mehr fahren. Hier hat man sich dann Gedanken gemacht und die Frostschutzpumpe erfunden. Diese Pumpe sitzt mit am Druckregler, hat einen Vorratsbehälter mit Frostschutzmittel (früher hat man einfach Spiritus genommen), und dieses Mittel wird regelmäßig mit in die Anlage gesprüht. Das Wasser ist natürlich immer noch da, aber nun kann es nicht mehr gefrieren.

Noch einen Schritt weiter ist man beim O307 gegangen, man wollte das Wasser kontrolliert loswerden. Dazu hat man als ersten Druckkessel nach der langen Druckleitung vom Kompressor kommend, direkt über der Vorderachse einen so genannten Nasskessel eingebaut. Dieser ist einfach nur in die Leitung eingeschleift, verfügt aber über einen Ablass unten am tiefsten Punkt des Kessels, durch welchen das angesammelte Wasser über ein daran angeschlossenes automatisches Entwässerungsventil ins Freie befördert werden soll.

Wenn das gut funktioniert, sollte der Rest des Systems eigentlich trocken bleiben.

Ja, wenn…

Den Kessel habe ich nämlich als erstes ausgebaut, denn an seiner Stelle soll der Lufttrockner hin. Dieser wird zuverlässig verhindern, dass die Feuchtigkeit in die ganze folgende Anlage kommt, und ist ausserdem mit einem Druckregler kombiniert, also zwei Geräte in einem.

Und so sieht das Teil aus:

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Wie der ursprüngliche Druckregler, wird auch dieser hier einfach in die Leitung geschleift. Unter den blauen Stopfen sind die Anschlüsse, links der Eingang, rechts der Ausgang. Aber wo bleibt nun die Feuchtigkeit? Ganz einfach, in der weissen Kartusche, die mit einer Art „Katzenstreu“ gefüllt ist und das Wasser aufnimmt.

Der Clou ist nun die Regeneration des Katzenstreus: Am dritten, kleinen Anschluss unten wird ein kleiner 5 Liter Kessel angeschlossen, der vom Kompressor mit aufgepumpt wird. Wenn nun „abgeblasen“ wird, also die 8,1 Bar erreicht wurden, wird die Kompressorluft erstmal ins Freie geblasen. Die Ventile im Druckregler schalten nun in der Art um, dass die Luft aus dem 5 Liter Kessel nun rückwärts durch das Katzenstreu geblasen, und die angesammelte Feuchtigkeit gleich mit ins Freie befördert wird. Die Öffnung dafür und auch für den Überdruck vom Kompressor ist unten, unter der weissen Kappe. Da kommt dieses laute Zischen immer her :)

Nun kommt die Feuchtigkeit ja trotzdem noch bis zu diesem Druckregler, wie verhindert man also das einfrieren im Winter? Ganz einfach: Der Anschluss hinten, auch unter einer weissen Kappe, gerade noch zu sehen, beherbergt elektrische Kontakte für eine Heizspirale. Damit wird der Regler angewärmt und die eingefrorenen Ventile tauen recht schnell auf.

Somit ist diese Lösung quasi wartungsfrei, die Anlage ist ab dem Lufttrockner komplett trocken und Entwässerungsventile sind eigentlich absolut überflüssig.

Trotzdem sollte man alle paar Tage oder Wochen, je nach dem wie oft das Fahrzeug gefahren wird, die Kessel auf Kondenswasser testen. Hat sich nämlich doch Wasser dort angesammelt, ist die Trocknerkartusche kaputt und muss getauscht werden. So wartungsfrei sind die Dinger dann nämlich doch nicht, denn nach ca. einem bis drei Jahren hat sich auch einiges an Öl vom Kompressor in der Kartusche gesammelt, so dass kein Wasser mehr aufgenommen werden kann.

Wer mal genau hinschaut, findet diese Trocknerkartuschen fast an jedem LKW seitlich hinter dem Fahrerhaus am Rahmen.

Aber zurück zum O307. Hier haben wir nun einen alten Druckregler und eben den Nasskessel, der das Kondenswasser abfangen soll, bevor es in den Rest der Anlage gerät. Beim Ausbauen bereits gabs nämlich eine böse Überraschung: Der Kessel war randvoll rostigem Wasser:

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Hier hat das Ding gesessen:

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Ich fotografiere vom Boden nach oben, die Wand ist der Kofferraum, oben sieht man die Leitungen von hinten kommen. Rechts die Leitung vom Kompressor kommend, links ist der Anschluss, der unten am Kessel für die Entwässerung dienen sollte, ganz links, nicht im Bild, die zweite Auflage zum Anschrauben und die nach vorne weiterführende Leitung. Das „dicke Rohr“ ist die Spurstange.

Die Entwässerungsleitung geht weiter zu diesem Ventil, und das scheint der Übeltäter zu sein, deswegen ist der Kessel voll gewesen.

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Und nun sind die Meinungen Gegenläufig. Im „Luft-Schaltplan“ des Busses heisst es, oben dran ist die Steuerleitung für die Entwässerung. Andere behaupten, das Ventil arbeite vollautomatisch, muss aber regelmäßig aufgeschraubt und gereinigt werden.

Als ich die so genannte Steuerleitung verfolgt habe, hab ich nicht schlecht gestaunt:

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Sie endet hier, versehen mit einem Blindstopfen, ungefähr unter dem Beifahrersitz. Sehr dubios.

Naja egal, ich habe mir keine weiteren Gedanken dazu gemacht, denn das Teil ist ja nun überflüssig. Also mal schauen wie das neue Equipment da alles reinpasst.

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So könnte der Lufttrockner sitzen. Die Leitung, die von hinten kommt möchte ich ungerne verändern.

Und das hier ist der Bausatz:

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Links ein schweres L-Profil, 8mm dick und passend zugesägt, so dass es auf die Halterung passt, auf der vorher der Nasskessel gesessen hat. Dann noch der Lufttrockner und der Kessel für die Regenerations-Luft.

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Das Profil ist gebohrt, erste Anprobe.

Hier noch eine Besonderheit, die ein Anruf bei Wabco noch zufällig ergeben hat: Der Schalldämpfer, an den hatte ich garnicht gedacht., steckt auf dem nächsten Bild nun unten dran.

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Für Nachbauer: Schalldämpfer Wabco-Nr. 432 407 0120, kostet ca. 25-30 EUR. Das Kabel für die Heizung gibts auch bei Wabco, Nummer 894 600 4542, kostet aber stolze 42 EUR plus Steuer. Das ist aber Standard-Ware und kann im LKW-Teilehandel für deutlich unter 10 EUR als Universal-Ersatzteil gekauft werden, und so habe ich es auch gemacht.

Auf dem Foto ist noch ein Fehler zu sehen, den ich aus Unwissenheit gemacht hatte: ich habe die Verschraubungen mit Teflonband zum Abdichten eingesetzt. Da gehören aber Dichtringe drunter, siehe weiter unten.

Nun musste ich austüfteln, wie der Lufttrockner auf dem Profil sitzen wird. Ein paar Holzklötzchen und eine Schraubzwinge, sowie ein Bleistift zum Anzeichen, und schon war die optimale Position ermittelt.

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Aus einem 100x200mm großem Stück Flachstahl habe ich dann die Halterung geschnitten, angepunktet und nochmal anprobiert. Der Flachstahl war vorher im Bus im Dach montiert, und wurde nicht mehr gebraucht.

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Fast hätte ich mit dem Kessel Mist gebaut. Der ist nämlich, wenn er richtig rum auf dem Profil montiert ist, mit der Spurstange auf Kollisionskurs, wenn die Luft aus den Federn ist. Also habe ich die Halterung falschrum eingebaut, wie auf dem Foto. Eigentlich gehört das Fangband nach unten. So könnte sich aber nun Wasser in der Halterung sammeln, deswegen habe ich ein 8mm Loch zum Ablauf gebohrt.

Nochmal anprobiert, alles super, also fehlt noch nur noch ein wenig Make-Up 😉

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Natürlich habe ich vorher alles gründlich mit der Flex und der Bürste saubergemacht.

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So gefällt mir das deutlich besser.

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Rechts im Bild noch zwei Rohre. Eines ist das gebogene, welches vom Kompressor kommt. Eine Verschraubung hatte ich nämlich zuerst übersehen, das Rohr war damit problemlos auszubauen. Das andere Rohr sitzt vorne am Vierkreis-Schutzventil, Foto kommt gleich.

So, und nun konnte alles fertig eingebaut werden:

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Auf dem nächsten Bild sieht man nun die neue, schwarze Leitung von hinten kommend, das Vierkreisschutzventil, und die neu gestrichene, alte Messingleitung. Die habe ich drin gelassen, weil das Ventil selbst nicht befestigt ist, sondern nur an den starren Leitungen hängt.

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Das Ventil wurde übrigens in Trier vor nicht allzulanger Zeit noch erneuert. Wie so ziemlich alles an diesem Bus!

Zuletzt habe ich dann noch alle Kessel mit neuen Entwässerungsventilen versehen, denn nun können die ja nicht mehr vergammeln wie bisher.

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Ausserdem habe ich noch neue Rohrschellen gekauft, ich habe nun einen Sortimentskasten mit Druckluftmontagematerial bestückt und somit alles griffbereit. Wie das alles funktioniert, erkläre ich in einem der späteren Beiträge.

Unten rechts auf dem Bild sieht man übrigens die richtigen Dichtringe, bestehend aus einem Profil-Ring und einem Gummiring, der in das Profil eingelegt wird.

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Hier sind sie dann eingebaut, und nun ist auch alles absolut dicht.

Nur bei den Entwässerungsventilen gabs ein Problem:

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Eins ist abgerissen, in einem Innengewinde, schöner Mist. Zum Glück ist das auch aus Messing und damit recht weich.

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Und so ließ sich der Rest vom Ventil ohne große Beschädigung am Gewinde des Kessels herausbrechen.

So, damit war der Bus bereit für einen Testlauf. Allerdings musste ich dafür noch am alten Druckregler, der ja hinten noch eingebaut war, den Abschaltdruck verstellen. Sonst würde der alte dem neuen immer zuvor kommen. Ich habe ein paar Mal an der Einstellschraube gedreht, das hat schon gereicht.

Aber seht und hört selbst:

Das wars – dieser Umbau ist fertig, und nun gehts weiter mit dem Heck!

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5 Antworten auf Lufttrockner Umbau

  1. Armin sagt:

    Sieht super aus, was doch so ein bissl Lack ausmacht 😉
    und übrigens schön erklärt!
    dann mal viel Spaß beim Basteln am Heck…

  2. Björn sagt:

    Ja, wie immer ein super Beitrag. Ich hätte gar nicht die Lust und Geduld, das alles auch noch fotografisch festzuhalten 😉
    Der nachträgliche Einbau eines Lufttrockners ist nicht ganz unumstritten. Fachleute sagen, daß das vom Kompressor zwangsläufig mitgeförderte Motoröl die Druckluftanlage von innen „schmiert“ und damit ganz ordentlich vor Korrosion schützt. Etwas Rost bleibt nie aus, der klebt aber durch das Öl fest und verursacht keine Probleme. Der Lufttrockner filtert dieses Öl nun aus und die Restfeuchtigkeit beseitigt den alten Ölfilm nach und nach, vor allem die eisernen Gerad- und Winkelanschlüsse, die sogenannten Fittinge, rosten nun umso stärker, Ablagerungen werden nun in Ventile geblasen und verursachen dort Undichtigkeiten.
    Wollen wir hoffen, daß Dir das nicht passiert!

    Zum alten Entwässerungsventil: da sitzt nur ein Plastikkolben drin, den man in der Tat säubern und neu schmieren sollte (mit ATE-Paste, niemals Fett, das macht die Gummidichtungen kaputt). Dieser Kolben sperrt eine Leitung ab, die unten mit dem Naß-Luftkessel verbunden ist und mit dem im Kessel vorhandenen Wasser gefüllt ist, das vom im Kessel herrschenden Luftdruck dort hineingedrückt wird. Über die Steuerleitung „mißt“ das Ventil Druckunterschiede, die dann zum Auslösen führen, das mit einem lauten „KLACK“ nicht zu überhören ist. Dabei wird dann eine recht geringe Menge Wasser herausgeschossen, aber oft genug, um den Kessel trocken zu halten.
    Hier gibt es ein PDF von Wabco, wo das ganz kurz beschrieben ist: http://tinyurl.com/4c78kys
    Und hier eine Explosionszeichnung: http://tinyurl.com/48ghaaf
    Dadurch wird auch ganz klar deutlich, daß das Ding nur MIT der Steuerleitung funktionieren kann.

  3. 211HD sagt:

    …besser plaziert als in meinem Umbau!
    Ich hab‘ mich nach unserem Gespräch auch noch schlau gemacht. Der Trochner sollte einigermaßen hochkant stehen; zumindest hier auf der Erde;-)
    wegen der Schwerkraft,damit das Wasser den Weg zur Entlüftung besser findet

  4. Kätzchen sagt:

    Test bestanden ;)….und du warst echt fleißig!

  5. Oliver sagt:

    @Björn: Ich habe heute mit einem alten Hasen wegen der Thematik „Nachträglicher Einbau eines Lufttrockners“ gesprochen und er meinte, dass es bei ihnen nach dem Umbau so gut wie keine Probleme mit der Luftanlage mehr gab.

    Übrigens sollte der Ölausstoß des Luftpressers so gering wie möglich ausfallen – auch bei Anlagen ohne Lufttrockner!